Nisthilfen bauen

Erste Infos

Auf dieser Seite haben wir Dir Anleitungen und Tipps für den Bau von Wildbienen-Nisthilfen zusammengestellt. Unser Anliegen ist es, Dir unsere Erfahrungen und Erkenntnisse mitzugeben und Dich auf häufig gemachte Fehler beim Bau von Nisthilfen aufmerksam zu machen. Dabei erheben wir keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder wissenschaftlicher Richtigkeit. Unser Ziel ist es, unsere heimische Vielfalt wieder zu Dir in den Garten/auf den Balkon zu bringen und gemeinsam zur Vermehrung und damit dem Schutz von Wildbienen beizutragen. 

Wann ist eine Nisthilfe sinnvoll? 

Gerade im urbanen Raum bietet es sich an, Wildbienen durch geeignete Nisthilfen zu unterstützen. Viele Wildbienen können nur wenige hundert Meter weit fliegen. Eine Nisthilfe ist daher nur dann sinnvoll, wenn im Umkreis von ca. 50m ein ausreichendes Blütenangebot zur Verfügung steht. 

Wie groß sollte meine Nisthilfe sein? 

Die Größe der Nisthilfe ist nicht entscheidend. Es ist jedoch elementar, dass die Löcher oder Stängel tief genug sind. Die Weibchen legen in den Löchern verschiedene Brutkammern an. In die hinteren Brutkammern werden befruchtete Eier gelegt, aus denen später Weibchen schlüpfen, und in die vorderen Brutkammern legen sie unbefruchtete Eier, aus denen Männchen schlüpfen. Zu kurze Löcher würden dafür sorgen, dass weniger Weibchen schlüpfen und der Fortbestand der Population bedroht wird. 

Sollte ich meine Nisthilfe gegen natürliche Fressfeinde schützen? 

Hierzu gibt es unterschiedliche Meinungen. Dass die Bienenbrut von Vögeln, parasitären Bienen oder Wespenarten geplündert wird, ist Teil des Naturkreislaufs. Daher ist es Dir überlassen, zu entscheiden, ob Du die Nisthilfe durch ein Netz oder ein Gitter schützen möchtest, oder der Natur freien Lauf lasst. Beispielsweise kannst Du auch einen Teil deiner Nisthilfen mit Netzen versehen und einen Teil ungeschützt lassen. Wenn Du in deinem Garten auch Vogelhäuser aufgestellt habt, solltest Du über einen Schutz nachdenken. 


Unterschiedliche Nistgewohnheiten von Wildbienen

Wildbienen haben unterschiedliche Nistgewohnheiten.  Die große Mehrheit aller Wildbienenarten sind Einzelgänger. Sie bauen und versorgen ihre Nester allein. Ca. 3/4 der Arten nisten dabei unterirdisch im Boden. Der Rest sucht und baut seine Nester oberirdisch. Diese Wildbienen nisten in Totholzstämmen und-ästen sowie in hohlen Stängeln.

Nisthilfen aus Holz 

25% der Wildbienenarten nisten oberirdisch. Sie legen ihre Eier in bereits vorhandene Lochstrukturen. Da die Wildbienenarten unterschiedlich groß sind, besiedeln sie verschieden dicke Lochdurchmesser.

Material:

  • Hartholz (durchgetrocknet/ unbehandelt) wie z.B. Buche, Esche, Eiche oder Holz von Obstbäumen 
  • Holzbohrer mit Bohraufsätzen in verschiedenen Größen und Längen 
  • Schmirgelpapier, Rundfeilen 


Durchführung:

  • Das Stück Holz oder der Stamm sollte eine Dicke von min. 15 cm haben.
  • Die Lochbohrungen sollten mindestens 10-13 cm tief in das Holz gebohrt werden. Sie sollten einen unterschiedlich breiten Durchmesser von 2-10 mm haben.
  • Die Löcher müssen längs in Holz gebohrt werden (da wo die Rinde war) und nicht ins Hirnholz. 
  • Die Löcher müssen gerade und glatt ins Holz gebohrt werden. Abstehenden Späne und Kanten sollten nachträglich abgeschmirgelt werden, da die Flügel von Wildbienen sehr empfindlich sind. 
  • Nach den Bohrungen sollte das Holz umgedreht und die Holzspäne mit einem Gummihammer ausgeklopft werden.


Platzierung:

  • Der Holzstamm muss überdacht stehen oder mit einem Dach versehen werden. Das Dach sollte einige cm überstehen, sodass das Holz auch bei schräg einfallendem Regen nicht nass wird. 
  • Die Löcher im Holzstamm sollten nach Süden oder nach SüdOsten ausgerichtet werden.
  • Optional kann die Nisthilfe mit einem Gitter oder einem Netz geschützt werden, das mit 2-3 cm Abstand vor die Bohrungen gespannt wird. 


Tipps und Erfahrungen:

  • Solltest Du bemerken, dass einige Lochgrößen nicht angenommen werden, lass sie bei der nächsten Nisthilfe weg. Wenn sich die Bienen für ein zu großes Loch entscheiden, haben sie einen deutlich höheren Energieaufwand, da sie mehr Baumaterial benötigen, um ihre Brutkammer zu versiegeln. 

Nisthilfen aus hohlen Stängeln

Einige Wildbienenarten nisten in hohlen Stängeln von abgestorbenen Pflanzen. Wie bei den Nisthilfen aus Holz sollten die Lochdurchmesser der Stängel variieren

Material:

  • Hohle Stängel vom Bambus, Schilfhalmen, Strohhalmen oder Staudenknöterich 
  • Eine Holzkiste oder Blechdosen 
  • Ggf. einen Bohrer zum nachbohren 
  • Schmirgelpapier, Rundfeilen 


Durchführung:

  • Die Stängel sollten min. 1 Woche getrocknet werden und zwischen 10-15 cm lang sein. 
  • Sie sollten einen unterschiedlich breiten Durchmesser von 2-10 mm haben. 
  • Die Stängel sollten gebündelt in eine Dose oder eine Holzkiste gesteckt werden. Dabei müssen sie lückenlos aneinander liegen, um das Eindringen von Parasiten zu vermeiden. 
  • Die Stängel dürfen nur eine Öffnung haben. Entweder der Stängel ist bereits durch einen Sprossknoten versiegelt, oder ihr drückt ihn einseitig in Gips oder Lehm. 
  • Bei gebündelten Stängeln bietet es sich an, alle zusammen einseitig in eine Gipsplatte zu drücken. 


Platzierung:

  • Platziert die Nisthilfe auf die gleiche Weise wie die Nisthilfen aus Holz. 


Tipps und Erfahrungen:

  • Verwendest Du Blechdosen, achte unbedingt darauf, sie schattig zu platzieren, sonst wird es für die Brut zu heiß. 
  • Viele verwenden als Stängel auch vorgebohrte Holz- oder Pappröhrchen. Die Holzröhrchen dürfen durchs Bohren keine Verkohlungen aufweisen und müssen splitterfrei gebohrt werden. Pappröhren nur an Orten mit geringer Luftfeuchtigkeit verwenden und zwingend trocken aufstellen, sonst fangen sie schnell an zu schimmeln. 
  • Die Eingänge der Röhrchen sollten ein wenig schräg nach unten aufgestellt werden. Sollten sie ggf. doch nass werden, kann das Wasser ablaufen. 

Nisthilfen aus Sand

Foto:  MSG/Frank Schuberth 

Nisthilfen aus Lehm